Neues aus Independencia

Hallo ihr Lieben,

ich melde mich mal wieder… seit dem letzten Mal habe ich wieder viel erlebt.

Mir geht es sehr gut hier, ich habe mich schon richtig eingelebt und kenne auch meine Aufgaben mittlerweile sehr gut. Mit dem Spanisch läuft es auch schon besser und ich muss nicht mehr vor jedem Satz genau überlegen, was ich jetzt sagen möchte. In Independencia sprechen die Menschen untereinander eigentlich nur Quechua, fast alle können aber auch Spanisch. Quechua ist genauso wie Aymara eine indigene Sprache mit vielen Lauten, die ich überhaupt nicht aussprechen kann. Aber zwei, drei Phrasen hab ich mir gemerkt: „Wie geht es dir?“ heißt z.B. „Imainalla kashanki?“ und „Bis morgen“ heißt „Q’aya kama“. Die Mädchen aus dem Centro Social und die Mitarbeiter versuchen mir immer fleißig neue Wörter beizubringen, aber merken kann ich mir das bisher noch nicht so gut.

In den letzten Wochen gab es hier wieder zwei Feste: „Día del Estudiante“ und „Fiesta de los Profesores“.

Am „Día del estudiante“ haben die Kinder den ganzen Tag gespielt und zu Musik getanzt. Außerdem gab es für alle Kartoffeln, Hähnchen und Salat, Wackelpudding und Torte zu essen. In Bolivien ist der Kindergarten mehr wie eine Vorschule: die Kinder lernen die Zahlen von eins bis zehn, das Alphabet, ein bisschen rechnen und sie bekommen Hausaufgaben auf. Deshalb haben die Kinder sich sehr über diesen Tag gefreut, an dem sie einfach mal nur spielen durften und haben dafür auch ihre schönsten Kleider angezogen.

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Lecker, lecker Torte 🙂

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Die Kinder stehn zum Essen an

Die „Fiesta de los Profesores“ ging drei Tage lang. Am ersten Abend haben die Lehrer aus Independencia und auch aus ganz vielen anderen Dörfern in der Sporthalle hier vorgetanzt. Am Freitag und Samstag gab es über den ganzen Tag verteilt Fußball-, Basketball- und Volleyballspiele auf allen Plätzen hier in Independencia, in denen die Lehrer der verschiedenen Schulen gegeneinander gespielt haben. Dabei haben sehr viele Leute zugeschaut und die Mannschaften angefeuert. Ich habe dabei auch mehrere Menschen kennengelernt. Denn hier in dem kleinen Dorf fällt man als Deutsche doch sehr auf und wird schnell angesprochen.

Ein weiteres Fest war die Erstkommunion. Die Mädchen und Jungen waren zwischen 12 und 16 Jahren alt. Die Mädchen tragen dazu ihre Poliera, das ist die traditionelle Tracht, die alle Frauen hier tragen und einen kurzen Schleier und die Jungs Anzüge. Wie auch in Deutschland gibt es eine Kommunionskerze. Der Gottesdienst verlief ziemlich ähnlich wie jeden Sonntag, außer dass viel mehr Leute da waren und die Jugendlichen natürlich ihre erste Kommunion bekommen haben. Am Ende der Messe haben diese dann ein Zeugnis für die Erstkommunion bekommen. Danach haben die Familien den Jugendlichen, um ihnen zu gratulieren weißes Konfetti über den Kopf gestreut.

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Jugendliche der Erstkommunion vor der Kirche in Independencia

Letzte Woche bin ich nach Cochabamba gefahren. Denn am Donnerstag ist dort Kira angekommen, die mit mir ein Jahr im Centro Social zusammen arbeitet. Außerdem mussten wir dann noch wegen unserem Visum zum Bischofsamt und dort verschiedene Dokumente abgeben. Aber davor habe ich mir noch die Projekte von Jakob und Jonas angeschaut: Kinderbetreuung, Hausaufgabenbetreuung, Stickfrauen und noch eine Seniorengruppe. Das war auch sehr interessant mal zu sehen, was andere Freiwillige so machen müssen. Und wenn man in der Stadt ist, merkt man schon einen großen Unterschied zu dem ländlicheren Leben, wie in Independencia. Während im Dorf alle in der traditionellen Tracht rumlaufen, tragen die Menschen in der Stadt Hose und Pulli und man muss nicht nur zwei Minuten laufen, um irgendwohin zu kommen, sondern fährt ’ne halbe Stunde mit dem Truffi durch die Stadt. Es ist einfach was ganz anderes, aber mir gefällt eigentlich beides.

Diesen Sonntag waren die Präsidentschaftswahlen. Deshalb war das ganze Wochenende Alkoholverbot und am Sonntag auch Fahrverbot. In Cochabamba hat man ganz viel Wahlwerbung für den Präsidenten Evo Morales gesehen. Die Wände sind mit „Evo Morales 2015-2020“ beschrieben. Aber hier in Independencia hat man davon nicht so viel mitbekommen, nur wenn man die Menschen direkt zu dem Thema angesprochen hat. Dabei haben die meisten für Evo Morales geschwärmt oder sich für keine der Parteien ausgesprochen. Am Sonntagabend haben wir durchs Radio erfahren, dass Evo Morales zum dritten Mal zum Präsidenten gewählt wurde. In Independencia soll er über 83% der Stimmen erlangt haben. Im Radio haben wir danach auch gehört, wie seine Anhänger in La Paz „Viva Evo, viva Bolivia, viva la Democracia“ und „ Patria sí, Colonia nio“ gesungen haben, wenn wir alles richtig verstanden haben 🙂

Wenn wir am Nachmittag Zeit haben, gehen wir ein bisschen wandern. Denn man ist hier ja direkt in der Natur. Dadurch dass Independencia aber so hoch liegt, ist das sehr anstrengend und wenn dann auch noch die Sonne runterknallt, kommt man sehr schnell ins Schwitzen. Aber das lohnt sich auf jeden Fall. Wir sehen immer ganz viele Schweine und die Aussicht ist einfach wunderschön.

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Das Tollwutschwein und ich 🙂

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Kira und ich beim Naturerkunden

Ich freue mich immer sehr, was von euch zu hören und ich versuche möglichst schnell zu antworten, aber hier in Independencia haben wir nicht so oft Internet. Ich bin schon total gespant, was ich in der nächsten Zeit noch erleben werde.

Sumajllata rishuchun (das ist Quechua und heißt Alles Gute :))