Ostern in Bolivien

Dieses Jahr habe ich Ostern hier im Centro Social einmal ein wenig anders erlebt. Ebenso wie an Todos Santos durften die Kinder über die Feiertage nach Hause fahren und so war das Internat wie leer gefegt.
Am Gründonnerstag, dem Jueves Santo (= Heiliger Donnerstag), ging es abends in den Gottesdienst. Dort fand zunächst die normale Messe statt. Danach wusch der Pfarrer mehreren Jugendlichen, die in der Firmvorbereitung sind, die Füße. Nach dem Gottesdienst fand für diese Jugendlichen noch eine kleine Andacht statt. Daran haben wir auch teilgenommen und waren sehr begeistert davon, es war richtig emotional für uns. Sehr beeindruckt hat mich auch, wie gläubig manche Jugendliche sind.

Am nächsten Tag, dem Viernes Santo, ist es Tradition, dass bis zum späten Mittag gefastet wird und so gab es im Centro Social „nur“ eine Suppe zum Mittagessen.

Am Nachmittag ging es dann wieder in die Kirche. Neben dem normalen Ablauf, gab es auch die Kreuzverehrung: Die Menschen sind nacheinander vor gegangen und haben die Wunden Jesu am Kreuz berührt und geküsst. Danach ging es zum Kreuzweg. Die ganze Gemeinde ist mit dem Sarg Jesu durch das Dorf gelaufen und hat an verschiedenen Stellen angehalten, um an die verschiedenen Leidensstationen Jesu zu gedenken. Dabei wurden immer wieder Blumen und Konfetti auf den Sarg gestreut.

Kreuzweg mit Sarg Jesu

Kreuzweg mit Sarg Jesu

Am Abend hatten wir vom Osterhasen die Aufgabe bekommen, 150 Eier zu bemalen. Alle Mitarbeiter, die an diesem Tag da waren und die Misioneras Quechuas haben zusammen geholfen, damit am Ende alle Eier kunterbunt waren. Diese Eier haben die Internatskinder am Sonntag zum Abendessen erhalten.

Bemalte Eier für die Kinder

Bemalte Eier für die Kinder

 

Am Samstag haben Kira und ich Ostereierplätzchen gemacht. Kunterbunt verziert hat jeder Mitarbeiter ein am Sonntag ein Plätzchen von uns erhalten.

Ostereierplätzchen

Ostereierplätzchen

Am späten Abend ging es dann in die Ostermesse, die wie in Deutschland mit einem Osterfeuer begonnen wurde. Der Gottesdienst hat sich kaum von dem deutschen unterschieden und war von den Jugendlichen auch schön mitgestaltet.

 

Es gibt hier aber nicht nur Feste, sondern auch den normalen Alltag.

Dreimal in der Woche gehe ich in das Colegio (=Gymnasium) Boliviano-Aleman. An den anderen Tagen gehe ich in den Kindergarten. Das Colegio geht von der siebten bis zur 12. Klasse. Das letzte Jahr beenden die Schüler mit dem Abitur. Insgesamt gehen ca. 650 Schüler auf die Schule und in einer Klasse sind zwischen 30 und 40 Schüler. Von diesen sind fast 90% Campesinos, das heißt, dass sie von kleineren Dörfern auf dem Land kommen und nicht aus der Provinzhauptstadt Independencia 🙂

Ich begleite die Englischlehrerin Ruth in die verschiedenen Klassen und helfe, wo es nötig ist: schreibe verschiedene Vokabeln und Sätze an die Tafel, spreche diese vor, helfe den Schülern bei Fragen und korrigiere die Tests.

In der Abiturklasse mit Lehrerin Ruth

In der Abiturklasse mit Lehrerin Ruth

Ein großer Teil der Schüler tut sich sehr schwer diese neue Sprache zu lernen. Aber viele interessieren sich auch dafür und fragen mich immer wieder, wie man ihren Namen in Englisch ausspricht und verschiedene Wörter.

Mir macht die Arbeit in der Schule total Spaß und ich glaube auch, dass den Schülern diese Abwechslung gefällt.

Im Klassenzimmer

Im Klassenzimmer

Doch trotzdem gibt es große Unterschiede zu der Schule in Deutschland. Bevor der Unterricht beginnt, müssen sich alle Schüler der Klasse nach formatieren. Dann wird auf der Stelle marschiert, montags die Nationalhymne gesungen und ein paar Lehrer halten zu verschiedenen Themen, wie zum Beispiel gutes Benehmen, Reden.

Formation der Schüler

Formation der Schüler

Auch ist Schuluniform hier Pflicht und es wird sehr strikt darauf geachtet, dass diese richtig getragen wird. Was mich immer wieder ein wenig schockiert ist, dass die Jungs alle kurze Haare und vor allem gleich lange Haare haben müssen. Wenn die Frisuren der Schulordnung nicht entsprechen, werden die Schüler vermerkt und müssen sich bis zum nächsten Tag die Haare geschnitten haben. Bei gravierenden Verstößen werden sie nicht auf das Schulgelände gelassen.

 

Zurück im Internat werden nach dem Mittagsessen erst Hausaufgaben gemacht und in der Küche, im Garten und in der Wäscherei geholfen.

Nach dem Abendessen haben die Kinder dann Zeit sich richtig auszutoben. Da sind wir auch immer auf dem Fußballplatz mit dabei 🙂

Basketball, Fußball, Frisbee, Fangen, Seilspringen…alles, was den Kindern so einfällt, wird gespielt.

Seilspringen mit den Kindern

Seilspringen mit den Kindern

Die Kleinsten aus dem Internat

Die Kleinsten aus dem Internat

 

Nach dem Spielen steht für die Kinder nochmal Hausaufgaben oder Häkeln auf dem Programm. Am Wochenende spielen sie Spiele oder schauen einen Film.

In Altersstufen unterteilt haben die Internatskinder und alle Kinder aus dem Dorf die Möglichkeit abends zur Puerta Abierta zu gehen. Die Puerta Abierta (=Offene Tür) ist eine Einrichtung, bei der Kinder und Jugendliche verschiedene Karten- und Gesellschaftsspiele spielen können. Die Erzieherinnen des Kindergarten San Francisco de Asis spielen mit den Kindern und achten darauf, dass die Spiele in Ordnung gehalten werden.

Schwester Verena hat uns erzählt, dass früher fast alle Kinder aus dem Dorf zur Puerta Abierta gekommen sind. Heute gehen aber fast nur noch die Schüler aus dem Internat dorthin, um ein wenig Abwechslung zu haben. Denn durch Fernsehen und Internet haben die anderen Kinder oft auch andere Beschäftigungsmöglichkeiten.

UNO-Spielen in der Puerta Abierta

UNO-Spielen in der Puerta Abierta

 

Ich hoffe, ihr hattet schöne Ostern und habt noch einen entspannten Ostermontag

Liebe Grüße aus Independencia

eure Pauline

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