Familie, Fest und Ferien

Pünktlich zum größten Fest Independencias, der „Fiesta de la Virgen del Carmen“, kamen meine Mama und Schwester zu Besuch. Darauf habe ich mich schon seit Wochen riesig gefreut.

Geschichtlich ist am Tag des Festes, dem 16.Juli, die Jungfrau Maria (Virgen) in Jerusalem auf dem Berg Carmenelo erschienen.

Doch hierin Independencia begann das Fest schon eine Woche zuvor. Jeden Abend fand ein Gottesdienst in verschiedenen Orten des Dorfes statt – im Krankenhaus, Rathaus, bei Privatpersonen und am letzten Abend in der Kirche.

Am Dienstagabend sollte auf dem Hauptplatz eigentlich ein Musik- und Tanzabend stattfinden, doch wegen starken Gewittern und Regen ist dieser wortwörtlich ins Wasser gefallen.

Am nächsten Tag begann das Fest mit einem Umzug durch das Dorf. Für das Event sind aus ganz Bolivien Besucher nach Independencia gekommen. Es war wie am Karneval in Oruro. Verschiedene Gruppen haben traditionelle Tänze in außergewöhnlicher Kleidung vorgeführt. Die beiden Schulen tanzten Tobas, Tinku und Diablada und zwei Gruppen aus Cochabamba Morenada. Musikalisch wurde alles von Bandas (eine Art Blaskapelle) der Schulen und professionellen Bandas aus Oruro begleitet.

Morenada

Morenada

Diablada

Diablada

Kira und ich hatten die Wochen vorher mit den Schülern Tobastanzen geübt, sodass wir mit der Abiturklasse eingezogen sind.

Tobastanzen :)

Tobastanzen 🙂

Mit einer Tinkustänzerin

Mit einer Tinkustänzerin

Abends folgte Tanzen auf der Plaza, das eigentlich am Vortag schon stattfinden sollte.

Der Donnerstag, der eigentliche Festtag, begann mit einer Prozession zu Ehren der Jungfrau Maria durch das Dorf.

Prozession durchs Dorf

Prozession durchs Dorf

Am Nachmittag fand erneut ein Umzug der Tänzer statt. Jede Tanzgruppe hat auf der Plaza ein paar Runden getanzt und so kam es dass wir erst um 19 Uhr halberfroren an der Reihe waren. Danach gab es für alle Tänzer in der Schule ein gemeinsames Essen. Am Abend folgte wieder lustiges Tanzen auf dem Hauptplatz.

Meine beiden Liebsten

Meine beiden Liebsten

Am darauffolgenden Tag fand der begehrte Stierkampf statt. Durch die mehr oder weniger abgesicherte Hauptstraße wurden nacheinander dreißig Stiere geschickt. Diese hatten alle ein Band mit Geld um den Hals. Jeder Mutige konnte in den „Kampfring“ treten und versuchen dem Tier die Trophäe abzunehmen. War es bis zum Ende der Straße niemandem gelungen, das Halsband abzunehmen, bekam der Stierbesitzer das Geld. Es waren auch professionelle Stierkämpfer anwesend, doch oft waren es auch einfach Betrunkene, sodass es zu mehreren Verletzten kam.

Stierkampf

Stierkampf

Am Samstag endeten die Festlichkeiten mit einer Verabschiedung des Festes. Dabei wurden auch die Festausrichter für das nächste Jahr ausgesucht. Denn die Bands, Klamotten, Tänzer usw. werden immer von Privatpersonen finanziert.

Sucre und Salar de Uyuni

Nach dem großen Fest ging es mit meiner Schwester und Mama auf Reise.

Als Erstes stand die Hauptstadt Boliviens Sucre auf dem Plan. Die Stadt ist allerdings für die Politik irrelevant, da sie früher zu abgelegen lag. Doch 1992 wurde Sucre zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Wegen der schönen Gebäude im Kolonialstil ist die Stadt trotzdem ein beliebter Ort für Touristen.

Selfie über Sucre

Selfie über Sucre

Am Montag sind wir von der sehr aufregenden Busfahrt erschöpft in Sucre angekommen. Dort haben wir uns viele verschiedene Kirchen, meist leider nur von außen, angeschaut. Auf das Dach der Kirche La Merced konnten wir auch steigen, von wo wir eine tolle Sicht über die ganze Stadt hatten.

Danach sind wir hoch zum Kloster La Recoleta gelaufen. In der strahlenden Sonne haben wir uns einen Eisbecher gegönnt und die Aussicht genossen.

Aussicht genießen...

Aussicht genießen…

Am nächsten Tag saßen wir stundenlang im Park, haben gehäkelt, gelesen und typisch bolivianische Gerichte ausprobiert, wie Salteñas (gefüllte Teigtaschen mit Gemüse), Empanadas (Käsetaschen) und Buñuelo (wie ungarischer Langos)

Leckeres, frisches Obst

Leckeres, frisches Obst

Buñuelos einkaufen

Buñuelos einkaufen

Eigentlich wollten wir am Abend direkt weiter nach Uyuni fahren. Doch schon seit mehreren Wochen wird in Potosí gestreikt. Denn nach dem Regierungswechsel wurde Potosí 15 Forderungen, wie der Bau eines Flughafens, bessere Konditionen in der Minenarbeit usw., versprochen, jedoch wurden diese noch nicht verfüllt. Deswegen mussten wir über Cochabamba nach Oruro fahren. Das war ein ziemlicher Umweg, doch wir sind gut angekommen. Die Busse weiter nach Uyuni fahren immer nur abends, deshalb haben wir den Tag in der Hauptstadt des Karnevals verbracht. Leider ist dort wirklich nur der Karneval sehenswert und sonst gibt es keine Attraktionen in der Stadt. Also haben wir uns einen schönen, entspannten Tag im Park gemacht 🙂

Da auf der Strecke von Oruro nach Uyuni auch gestreikt wird, mussten wir einen Umweg mitten durch die Wüste nehmen. Wie es das Schicksal wollte, blieben wir dort in der Eiseskälte stecken. Alle mussten mit anpacken, dass wir den Bus wieder rausbekommen haben.

Mit dem Seil rausgezogen :)

Mit dem Seil rausgezogen 🙂

Mit einiger Verspätung haben wir schließlich Uyuni erreicht. Die Stadt selbst ist sehr klein, doch wegen dem Salzsee „Salar de Uyuni“ sehr bekannt.

Am gleichen Tag haben wir noch eine typische 3-Tagestour begonnen. Mit einer anderer argentinischen Familie ging es im Jeep zunächst zum Eisenbahnfriedhof. Dort wurden die ersten Eisenbahnlinien und Züge Boliviens zur Touristenaktion gemacht.

Und weiter ging es zum Salar, ein weites weißes Meer, das kein Ende nimmt. Egal in welche Richtung man schaut, man sieht nur den salzigen, trockenen und weißen Boden mit den vielen Sechsecken.

Das "weiße Meer"

Das „weiße Meer“

Die berühmten Sechsecken

Die berühmten Sechsecken

 

Mitten auf der Salzwüste haben wir mittags gepicknickt….einfach unglaublich! Danach ging es noch zur Kaktusinsel, auf der die Kakteen bis zu 10m groß werden.

Picknick auf dem Salzsee

Picknick auf dem Salzsee

 

Weiter ging es zu unserer ersten Übernachtung, dem Salzhotel. Der ganze Boden, Wände, Betten und Stühle waren aus Salz. Abends saßen alle Touristen noch gemütlich beisammen und haben sich ihre Geschichten erzählt.

Am nächsten Tag ging es in den Nationalpark und zu vielen verschiedenen Lagunen. Jede Lagune hat eine andere Farbe. Die grüne Lagune erhält ihre Farbe durch die Mineralien und den Wind, die rote durch die hiergenannte rote Erde und die blaue ist einfach total klares Wasser mit der Himmelsspieglung. Die Flamingos verliehen den Lagunen etwas Magisches.

Die rote Lagune

Die rote Lagune

 

Bevor es dann schließlich zu meiner wohl höchstgelegensten Schlafgelegenheit auf 4600m ging, haben wir uns noch verschiedene Vulkansteine angesehen. Ganz berühmt ist hier der „Baum“, mit viel Fantasie sieht man aber auch Papageien, Löwen und sonstige Kreaturen. Die 4600m machten mir in der Nacht nichts aus. Doch es war so bitterkalt, dass auch die sechs Schichten Pullis nichts geholfen haben.

Am letzten Tag ging es schon um 5.30 Uhr los, denn wir wollten den Sonnenaufgang inmitten der Gasiere bestaunen. Auf der Höhe von 4900m steigen heiße Gase aus dem Erdboden und lassen die schon unbeschreibliche Natur noch irrealer wirken.

Heiße Gasiere aus dem Erdboden

Heiße Gasiere aus dem Erdboden

Danach ging es noch zu heißen Quellen zum Baden. Nach insgesamt 350km an diesem Tag sind wir am Nachmittag wieder in Uyuni angekommen. Diese drei Tage waren voll von jeder Menge Kälte, dünner Luft, unzähligen Naturwundern und unbeschreiblichen Eindrücken, die man nicht in Worte und nur schwer in Bildern festhalten kann.

Nach den wunderschönen Tagen mit meiner Mama und Schwester mussten wir uns leider wieder trennen. Die Beiden sind weiter nach Copacabana zum Titicacasee gefahren und ich musste wieder nach Independencia zurück. Doch es war so toll, den Beiden mein Leben hier in Bolivien zu zeigen, denn man kann nicht alles in Worte fassen und nun können sie sich alles viel besser vorstellen.

Meine Allerliebsten bei mir

Meine Allerliebsten bei mir

Ein Herz für Bolivien

Ein Herz für Bolivien

Meine Zeit hier in Bolivien neigt sich langsam dem Ende zu…ich werde die letzten Wochen hier noch genießen und freue mich aber auch schon auf Zuhause.

Ganz liebe Grüße aus Bolivien,

Pauline