Familie, Fest und Ferien

Pünktlich zum größten Fest Independencias, der „Fiesta de la Virgen del Carmen“, kamen meine Mama und Schwester zu Besuch. Darauf habe ich mich schon seit Wochen riesig gefreut.

Geschichtlich ist am Tag des Festes, dem 16.Juli, die Jungfrau Maria (Virgen) in Jerusalem auf dem Berg Carmenelo erschienen.

Doch hierin Independencia begann das Fest schon eine Woche zuvor. Jeden Abend fand ein Gottesdienst in verschiedenen Orten des Dorfes statt – im Krankenhaus, Rathaus, bei Privatpersonen und am letzten Abend in der Kirche.

Am Dienstagabend sollte auf dem Hauptplatz eigentlich ein Musik- und Tanzabend stattfinden, doch wegen starken Gewittern und Regen ist dieser wortwörtlich ins Wasser gefallen.

Am nächsten Tag begann das Fest mit einem Umzug durch das Dorf. Für das Event sind aus ganz Bolivien Besucher nach Independencia gekommen. Es war wie am Karneval in Oruro. Verschiedene Gruppen haben traditionelle Tänze in außergewöhnlicher Kleidung vorgeführt. Die beiden Schulen tanzten Tobas, Tinku und Diablada und zwei Gruppen aus Cochabamba Morenada. Musikalisch wurde alles von Bandas (eine Art Blaskapelle) der Schulen und professionellen Bandas aus Oruro begleitet.

Morenada

Morenada

Diablada

Diablada

Kira und ich hatten die Wochen vorher mit den Schülern Tobastanzen geübt, sodass wir mit der Abiturklasse eingezogen sind.

Tobastanzen :)

Tobastanzen 🙂

Mit einer Tinkustänzerin

Mit einer Tinkustänzerin

Abends folgte Tanzen auf der Plaza, das eigentlich am Vortag schon stattfinden sollte.

Der Donnerstag, der eigentliche Festtag, begann mit einer Prozession zu Ehren der Jungfrau Maria durch das Dorf.

Prozession durchs Dorf

Prozession durchs Dorf

Am Nachmittag fand erneut ein Umzug der Tänzer statt. Jede Tanzgruppe hat auf der Plaza ein paar Runden getanzt und so kam es dass wir erst um 19 Uhr halberfroren an der Reihe waren. Danach gab es für alle Tänzer in der Schule ein gemeinsames Essen. Am Abend folgte wieder lustiges Tanzen auf dem Hauptplatz.

Meine beiden Liebsten

Meine beiden Liebsten

Am darauffolgenden Tag fand der begehrte Stierkampf statt. Durch die mehr oder weniger abgesicherte Hauptstraße wurden nacheinander dreißig Stiere geschickt. Diese hatten alle ein Band mit Geld um den Hals. Jeder Mutige konnte in den „Kampfring“ treten und versuchen dem Tier die Trophäe abzunehmen. War es bis zum Ende der Straße niemandem gelungen, das Halsband abzunehmen, bekam der Stierbesitzer das Geld. Es waren auch professionelle Stierkämpfer anwesend, doch oft waren es auch einfach Betrunkene, sodass es zu mehreren Verletzten kam.

Stierkampf

Stierkampf

Am Samstag endeten die Festlichkeiten mit einer Verabschiedung des Festes. Dabei wurden auch die Festausrichter für das nächste Jahr ausgesucht. Denn die Bands, Klamotten, Tänzer usw. werden immer von Privatpersonen finanziert.

Sucre und Salar de Uyuni

Nach dem großen Fest ging es mit meiner Schwester und Mama auf Reise.

Als Erstes stand die Hauptstadt Boliviens Sucre auf dem Plan. Die Stadt ist allerdings für die Politik irrelevant, da sie früher zu abgelegen lag. Doch 1992 wurde Sucre zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Wegen der schönen Gebäude im Kolonialstil ist die Stadt trotzdem ein beliebter Ort für Touristen.

Selfie über Sucre

Selfie über Sucre

Am Montag sind wir von der sehr aufregenden Busfahrt erschöpft in Sucre angekommen. Dort haben wir uns viele verschiedene Kirchen, meist leider nur von außen, angeschaut. Auf das Dach der Kirche La Merced konnten wir auch steigen, von wo wir eine tolle Sicht über die ganze Stadt hatten.

Danach sind wir hoch zum Kloster La Recoleta gelaufen. In der strahlenden Sonne haben wir uns einen Eisbecher gegönnt und die Aussicht genossen.

Aussicht genießen...

Aussicht genießen…

Am nächsten Tag saßen wir stundenlang im Park, haben gehäkelt, gelesen und typisch bolivianische Gerichte ausprobiert, wie Salteñas (gefüllte Teigtaschen mit Gemüse), Empanadas (Käsetaschen) und Buñuelo (wie ungarischer Langos)

Leckeres, frisches Obst

Leckeres, frisches Obst

Buñuelos einkaufen

Buñuelos einkaufen

Eigentlich wollten wir am Abend direkt weiter nach Uyuni fahren. Doch schon seit mehreren Wochen wird in Potosí gestreikt. Denn nach dem Regierungswechsel wurde Potosí 15 Forderungen, wie der Bau eines Flughafens, bessere Konditionen in der Minenarbeit usw., versprochen, jedoch wurden diese noch nicht verfüllt. Deswegen mussten wir über Cochabamba nach Oruro fahren. Das war ein ziemlicher Umweg, doch wir sind gut angekommen. Die Busse weiter nach Uyuni fahren immer nur abends, deshalb haben wir den Tag in der Hauptstadt des Karnevals verbracht. Leider ist dort wirklich nur der Karneval sehenswert und sonst gibt es keine Attraktionen in der Stadt. Also haben wir uns einen schönen, entspannten Tag im Park gemacht 🙂

Da auf der Strecke von Oruro nach Uyuni auch gestreikt wird, mussten wir einen Umweg mitten durch die Wüste nehmen. Wie es das Schicksal wollte, blieben wir dort in der Eiseskälte stecken. Alle mussten mit anpacken, dass wir den Bus wieder rausbekommen haben.

Mit dem Seil rausgezogen :)

Mit dem Seil rausgezogen 🙂

Mit einiger Verspätung haben wir schließlich Uyuni erreicht. Die Stadt selbst ist sehr klein, doch wegen dem Salzsee „Salar de Uyuni“ sehr bekannt.

Am gleichen Tag haben wir noch eine typische 3-Tagestour begonnen. Mit einer anderer argentinischen Familie ging es im Jeep zunächst zum Eisenbahnfriedhof. Dort wurden die ersten Eisenbahnlinien und Züge Boliviens zur Touristenaktion gemacht.

Und weiter ging es zum Salar, ein weites weißes Meer, das kein Ende nimmt. Egal in welche Richtung man schaut, man sieht nur den salzigen, trockenen und weißen Boden mit den vielen Sechsecken.

Das "weiße Meer"

Das “weiße Meer”

Die berühmten Sechsecken

Die berühmten Sechsecken

 

Mitten auf der Salzwüste haben wir mittags gepicknickt….einfach unglaublich! Danach ging es noch zur Kaktusinsel, auf der die Kakteen bis zu 10m groß werden.

Picknick auf dem Salzsee

Picknick auf dem Salzsee

 

Weiter ging es zu unserer ersten Übernachtung, dem Salzhotel. Der ganze Boden, Wände, Betten und Stühle waren aus Salz. Abends saßen alle Touristen noch gemütlich beisammen und haben sich ihre Geschichten erzählt.

Am nächsten Tag ging es in den Nationalpark und zu vielen verschiedenen Lagunen. Jede Lagune hat eine andere Farbe. Die grüne Lagune erhält ihre Farbe durch die Mineralien und den Wind, die rote durch die hiergenannte rote Erde und die blaue ist einfach total klares Wasser mit der Himmelsspieglung. Die Flamingos verliehen den Lagunen etwas Magisches.

Die rote Lagune

Die rote Lagune

 

Bevor es dann schließlich zu meiner wohl höchstgelegensten Schlafgelegenheit auf 4600m ging, haben wir uns noch verschiedene Vulkansteine angesehen. Ganz berühmt ist hier der „Baum“, mit viel Fantasie sieht man aber auch Papageien, Löwen und sonstige Kreaturen. Die 4600m machten mir in der Nacht nichts aus. Doch es war so bitterkalt, dass auch die sechs Schichten Pullis nichts geholfen haben.

Am letzten Tag ging es schon um 5.30 Uhr los, denn wir wollten den Sonnenaufgang inmitten der Gasiere bestaunen. Auf der Höhe von 4900m steigen heiße Gase aus dem Erdboden und lassen die schon unbeschreibliche Natur noch irrealer wirken.

Heiße Gasiere aus dem Erdboden

Heiße Gasiere aus dem Erdboden

Danach ging es noch zu heißen Quellen zum Baden. Nach insgesamt 350km an diesem Tag sind wir am Nachmittag wieder in Uyuni angekommen. Diese drei Tage waren voll von jeder Menge Kälte, dünner Luft, unzähligen Naturwundern und unbeschreiblichen Eindrücken, die man nicht in Worte und nur schwer in Bildern festhalten kann.

Nach den wunderschönen Tagen mit meiner Mama und Schwester mussten wir uns leider wieder trennen. Die Beiden sind weiter nach Copacabana zum Titicacasee gefahren und ich musste wieder nach Independencia zurück. Doch es war so toll, den Beiden mein Leben hier in Bolivien zu zeigen, denn man kann nicht alles in Worte fassen und nun können sie sich alles viel besser vorstellen.

Meine Allerliebsten bei mir

Meine Allerliebsten bei mir

Ein Herz für Bolivien

Ein Herz für Bolivien

Meine Zeit hier in Bolivien neigt sich langsam dem Ende zu…ich werde die letzten Wochen hier noch genießen und freue mich aber auch schon auf Zuhause.

Ganz liebe Grüße aus Bolivien,

Pauline

Das Leben auf dem Land

Damit auch die Menschen auf dem Land medizinische Versorgung erhalten, hat Schwester Verena mit Hilfe von Spenden aus Deutschland in verschiedenen Dörfern kleine Sanitätsposten errichtet.

Neben der Arbeit in der Schule, im Kindergarten und im Centro Social lernen wir Freiwilligen in Independencia so auch das Leben auf dem Land Boliviens kennen. Denn knapp zwei Wochen habe ich in dem ca. 100 Einwohner-Dorf Cantumarca mit der Krankenschwester Alina verbracht.

Seit 1995 besteht dieser Sanitätsposten und versorgt Cantumarca und auch die umliegenden Dörfer medizinisch.

Sanitätsposten in Cantumarca

Sanitätsposten in Cantumarca

Gleich am ersten Tag meines Aufenthaltes ging es mit weiteren Ärzten aus dem Krankenhaus Independencias nach Chacovillque, um den monatlichen Gesundheitscheck der Kinder durchzuführen.

Direkt nach dem Eintreffen sind die Dorfbewohner mit ihren Kindern zum Versorgungsauto gekommen, wo die Ärzte die Entwicklung der Kinder nach Größe und Gewicht überprüft haben. Außerdem haben ihre Eltern für sie verschiedene Nahrungsergänzungsmittel mit wichtigen Vitaminen und Mineralien, die der Staat finanziert, bekommen.

In der Grundschule mit ihren 20 Schülern haben wir dann die neunjährigen Schüler gegen Tetanus geimpft. Dieser Impfstoff wird ebenfalls vom Staat finanziert. Natürlich wurden auch noch alle anderen Kranken versorgt.

Ärztliche Versorgung in Chacovillque

Ärztliche Versorgung in Chacovillque

 

Danach ging es wieder zurück nach Cantumarca. In den folgenden Tagen habe ich vor allem das ländliche Leben kennengelernt.

Die älteren Frauen haben keine Schulbildung genossen, daher sprechen sie kein „castellano“, sondern nur Quechua.

Das Landleben unterscheidet sich von dem mir bisher bekannten sehr. Die Menschen stehen schon sehr früh auf, um ihre Tiere auf das Feld zu bringen. Um 10 Uhr gibt es dann Frühstück, aber nicht wie in Deutschland Brot oder Müsli, sondern etwas Warmes. Denn die Frauen bereiten nach dem Aufstehen eine Suppe oder Kartoffeln mit Gemüse zu. Das Ganze wird in einem „Küchenhäuschen“ auf offenem Feuer gekocht.

Das Kochen auf dem Land

Das Kochen auf dem Land

 

Gestärkt geht es danach auf das Feld, um Kartoffeln zu ernten, die Felder umzugraben oder ähnliches. Dabei mitzuhelfen war für mich eine ganz besondere Erfahrung.

 

Kartoffelernten

Kartoffelernten

 

Während der Arbeit wird auf dem bereits geernteten Feld ein kleines Feuer gemacht, in dem später Kartoffeln und Maiskolben gekocht werden. Nach mehreren Stunden haben wir diese gegessen, um dann mit neuer Energie weiter zu arbeiten.

 

Am nächsten Tag haben wir Humint’a zubereitet. Dies ist ein traditionelles Essen: Maiskörner werden mit einem Fleischwolf zerkleinert, mit Gewürzen verfeinert und anschließend in die Maisblätter portioniert. Danach haben wir es im großen Steinofen gebacken. Ein weiteres Mal haben wir sie auch auf dem Feuer im Topf gekocht.

Humint'a im Kochtopf

Humint’a im Kochtopf

 

Während meines Aufenthaltes kamen aus der Region immer wieder Patienten zum Sanitätsposten, die wir behandelt haben. Allerdings waren es nie große Beschwerden und es gab auch keinen Notfall.

 

Nach 12 Tagen ging es wieder zurück nach Independencia. Die Krankenschwester Alina hat mich dorthin begleitet. Da Krankenschwestern in Bolivien nur 22 Tage im Monat arbeiten müssen, geht sie Ende des Monats immer zu ihrer Familie in die Provinzhauptstadt.

Ohne Auto ist es gar nicht so einfach, aus Cantumarca herauszukommen. Nach drei Stunden Fußmarsch mit meinem viel zu schweren Rucksack sind wir an die Straße, die von Cochabamba nach Independencia führt, gekommen. Dort sind wir nach einigem Warten in den vorbeifahrenden Bus eingestiegen und nach einer Stunde Fahrt gut in Independencia ausgestiegen.

 

Hier noch ein paar Impressionen von meinem Abenteuer:

Regenbogen in Cantumarca

Regenbogen in Cantumarca

Mit Krankenschwester Alina Maisstiele essen

Mit Krankenschwester Alina Maisstiele essen

Schweinchenausführen

Schweinchenausführen

Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück der Erde

Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück der Erde

 

 

Die Sodalid-Mine

Zwei Stunden von Independencia entfernt liegt schon fast im Urwald das kleine Dorf Sivingani, welches für seinen „Frosch-Berg“ bekannt ist. Denn dieser Berg enthält das blaue Mineral Sodalid, das unter der Leitung von einem Italiener abgebaut und nach Japan und Europa exportiert wird. Zusammen mit Marie und Sarah – Lang-/Kurzzeitbesucherinnen aus Deutschland – haben wir diesen Berg und die Verarbeitung von diesem Stein besichtigt. In die Mine selbst konnten wir leider nicht, weil gerade gesprengt wurde. Aber auch die Verarbeitung war interessant, denn aus einem bräunlichen, großen Gesteinsbrocken wird nach dem Schleifen und Waschen ein schöner dunkelblau graumelierter Stein.

Und wenn man Glück hat, findet man sogar das ein oder andere Partikelchen Gold darin.

Denn die Region war auch für das Goldwaschen bekannt und schaut man sich die Flussbetten genau an, kann man viel „Glitzer“ entdecken.

Auf der Suche nach den schönsten Steinen

Auf der Suche nach den schönsten Steinen

 

Nach dem Besuch des Sodalidabbaus ging es weiter zu einem Wasserfall in Mitten des urwaldähnlichen Waldes an einem Berg. Von weitem hat man diesen schon gesehen und plötzlich standen wir ganz nah da 🙂

Mit Don Luis am Wasserfall

Mit Don Luis am Wasserfall

 

Nach einem Picknick am Fluss fuhren wir noch zu dem Dorf Chuchawani, um uns dort den Wochenmarkt anzusehen, der war leider schon zu Ende, aber wir hatten die Möglichkeit einen weiteren Sanitätsposten zu sehen.

 

Während des Ausfluges lernten wir viele kleine Dörfer kennen und merkten, was der Höhenunterschied von fast 1000m in der Landschaft ausmacht.

Die beeindruckende Landschaft

Die beeindruckende Landschaft

 

Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen,

ganz liebe Grüße vom Land,

eure Pauline

Independencia Hellau – Faschingszeit

Gerade herrscht in ganz Bolivien Karnevalsstimmung und ich war mittendrin. Sowohl in Independencia, als auch in Oruro beim zweitgrößten Karneval von Lateinamerika habe ich das echte südamerikanische Faschingsfieber erlebt.

Seit Anfang Februar ist bei uns im Internat wieder voller Betrieb, denn die Schule hat wieder angefangen. Dieses Jahr sind so viele neue Schüler gekommen, dass sogar die Besucherzimmer an die Kinder abgegeben wurden. Die Kleinsten sind erst sechs Jahre alt. Doch nach einer Woche Schule sind jetzt wegen Fasching schulfreie Tage und die meisten Kinder sind zu ihren Familien nach Hause gefahren.

Aber zurück zum Fasching hier im Centro:

Bereits am Dienstag ging es mit den Kleinsten im buntgeschmückten Saal mit einem Faschingstanz los. Bei traditioneller Musik sind wir mit den Kindern wild im Kreis getanzt. Am nächsten Abend waren dann die Großen dran. Bei diesen haben wir vor allem traditionell getanzt und Kira und ich waren passend mit der Pollera (die Tracht der Quechua) gekleidet.

Faschingstanz im Centro

Faschingstanz im Centro

Am Donnerstagmorgen ging es für uns um drei Uhr mit dem Bus nach Cochabamba los. Das letzte Mal hatten wir in der Regenzeit für die 220km-Strecke neun Stunden gebraucht. Doch dieses Mal hat es ein wenig länger gedauert. Bereits nach zwei Stunden steckten wir für fünf Stunden im metertiefen Matsch fest.

Auf dem Weg nach Cochabamba

Auf dem Weg nach Cochabamba

Weder die Männer noch ein Laster konnte uns da rausholen und erst eine Baustellenraupe hat es geschafft. Nach weiteren 20min Fahrzeit hat ein Baustellengerät, das halb den Weg abgerutscht ist, die Straße blockiert und wir mussten warten bis es abgeschleppt wurde. Das letzte Hindernis war ein Erdrutsch, der bereits für die ganze Nacht den Weg versperrt hatte. Doch auch das haben wir überwunden :))

Der Erdabrutsch

Der Erdabrutsch

Und nach ganzen 22 Stunden sind wir auch in Cochabamba angekommen und mussten nicht, wie schon befürchtet, im Bus übernachten.

Am nächsten Morgen sind wir weiter nach Oruro gefahren. Dort findet nach Río de Janeiro der zweitgrößte Karneval Lateinamerikas statt. Wir haben mit sieben weiteren Freiwilligen bei einem älteren Ehepaar gewohnt. Dort haben wir uns richtig wohl gefühlt, denn die beiden waren richtig putzig und haben immer betont, dass wir uns wie zuhause fühlen sollen.

Am Freitag liefen noch alle Vorbereitungen: die Straße wurde bunt angemalt und die Tribüne wurde aufgebaut. Wir sind durch die Stadt gelaufen und haben uns die verschiedenen Stände angeschaut.

Bemalte Straße in Oruro

Bemalte Straße in Oruro

Außerdem wurden wir mit Schaum und Wasserspritzpistolen voll gesprüht. Das ist hier an Fasching eine Tradition und nicht nur die Kinder haben dabei großen Spaß.

Um sieben Uhr ging es am darauffolgenden Tag mit der Entrada los. Dabei laufen sehr viele verschiedene Tanz- und Musikgruppen eine 9 km lange Straße entlang und bieten ihre Tänze und Lieder dar. Wir hatten am Rand der Straße einen Sitzplatz und konnten von dort aus das Schauspiel bewundern. Die Gruppen kamen aus ganz Bolivien und bestanden zum Teil aus 200 Personen, die synchron getanzt haben. Das war wirklich beeindruckend. Am besten hat mit der Tanz Caborales gefallen, der die Lebensfreude der Südamerika besonders gut darstellt.

Caboralestänzerinnen

Caboralestänzerinnen

Obwohl es zwischendurch sehr geregnet und gewittert hat, konnte die Stimmung nicht gedämpft werden.

Banda bei strömendem Regen

Banda bei strömendem Regen

Besonders beeindruckend waren auch die Kostüme von den verschiedenen Gruppen.

Selfie mit einer Topastänzerin

Selfie mit einer Topastänzerin

Der Umzug ging den ganzen Tag und auch in der Nacht nahm er kein Ende. Aber es wurde auch nicht langweilig, denn es gab so viele verschiedene Tänze und Kostüme, dass wir immer gespannt und begeistert zugeschaut haben. Am Sonntag morgen ging es weiter und manchen Tänzern hat man auch angesehen, dass die Nacht lang war. Aber trotzdem sind alle mit voller Energie über die Straße gefegt.

Das Wochenende war wirklich total beeindruckend und irgendwie auch unbeschreiblich, wie diese Massen von Tänzern auf einen wirken.

Foto mit Caboralestänzern

Foto mit Caboralestänzern

Als wir danach wieder in Independencia angekommen sind, wurden wir von tanzenden Menschen auf der Hauptstraße empfangen. Denn auch hier im Dorf gab es am Wochenende mehrere Entradas.

Entrada in Independencia

Entrada in Independencia

Außerdem wurden wir auch gleich mit Wassereimern und -bomben beschmissen. Allerdings hat es so stark geregnet, dass man dies fast nicht wahrgenommen hat.

EIn Wasserfall direkt vor unserer Haustür :)

EIn Wasserfall direkt vor unserer Haustür 🙂

Ab nächster Woche geht die Schule wieder weiter und für mich und Kira fällt eine neue Aufgabe an: der Englischunterricht. Immer abwechselnd wird einer von uns die Englischlehrerin im Colegio unterstützen und an den weiteren Tagen im Kindergarten mithelfen. Ich bin schon sehr gespannt, welche Unterschiede es zum Englischunterricht in Deutschland gibt und freue mich auf neue Erfahrungen und Herausforderungen.

 

Warten in den Anden

Warten in den Anden

Ganz liebe Grüße,

eure Pauline

Letzte Erlebnisse im Jahr 2014

Das Neue Jahr ist da, für welches ich allen noch alles Gute wünsche. Doch bevor wir ins Jahr 2015 gerutscht sind, habe ich noch einiges erlebt, von dem ich euch berichten möchte.

Bei dem vielen Schnee in Deutschland wahrscheinlich unvorstellbar, ist hier in Bolivien gerade Hochsommer, das heißt aber auch Regenzeit. Am Vormittag zeigt sich meist das schönste Wetter bei bis zu 30°. Doch am späten Nachmittag beginnt dann der Regen, oft auch heftige Gewitter oder Hagel, und dauert bis in die Abendstunden. Da kühlt es schnell wieder ab und man fängt schnell an zu frieren.

Von Ende November bis Anfang Februar sind in ganz Bolivien Sommerferien. Für die Schüler aus dem Internat heißt das, dass sie nach Hause in ihre Dörfer oder in die Stadt zum Arbeiten gehen. Jede Woche müssen jedoch drei bis vier Schüler ins Internat zurückkehren, um hier zu helfen, denn hier steht einiges an: Alle Schlaf-, Aufenthalts- und Lernräume müssen gereinigt, Bettdecken, Matratzen und Kissen gewaschen, Kaputtes repariert und der Bestand gezählt werden. Und genau dabei helfen Kira und ich auch mit. Erst haben wir die Puppen und Puppenkleider aus dem Kindergarten gewaschen und die Listen der Schulbücher und –hefte auf den neusten Stand gebracht. Außerdem hat uns die Kindergärtnerin Doña Alicia Stricken beigebracht. Jetzt stricken wir am Vormittag fleißig Stirnbänder mit Mustern oder Puppenkleidung und am Nachmittag haben wir Presente. Außerdem haben wir bei den weihnachtlichen Vorbereitungen geholfen: einen Adventskranz gebunden, den Weihnachtsbaum geschmückt und die Geschenke für die Mitarbeiter aus dem Centro Social eingepackt.

Beim Binden des Adventskranzes für das Internet

Beim Binden des Adventskranzes für das Internet

Der geschmückte Weihnachtsbaum in unserem Aufenthaltsraum

Der geschmückte Weihnachtsbaum in unserem Aufenthaltsraum

An Heilig Abend haben wir mit Schwester Verena, anderen Mitarbeitern und den Misioneras Quechuas, die auch auf dem Gelände des Internats leben, ein großes Mahl mit Bratwürsten, Kartoffeln, Reis, Kartoffel- und Karottensalat zu uns genommen.

Das Weihnachtsfestmahl

Das Weihnachtsfestmahl

 

Danach haben zwei der Misioneras Quechuas in dem kleinen Gebetsraum des Internats eine Andacht gehalten, bei der wir alle teilgenommen haben.

Nachdem das Essen ein wenig verdaut war, haben wir uns alle im Living zu selbstgebackenen Plätzchen und Glühwein versammelt. Bei dem Geruch nach Glühwein kam dann doch Weihnachtsstimmung auf. Dann wurden natürlich auch noch Geschenke verteilt und ausgepackt.

Gemütliches Beisammensein mit ein paar Mitarbeitern des Internats

Gemütliches Beisammensein mit ein paar Mitarbeitern

Die Leiterin des Centro Social Schwester Verena

Die Leiterin des Centro Social Schwester Verena

Der Abschluss des besonderen Abends bildete der Gottesdienst in der Kirche im Dorf, der sehr besucht war. Am 25. Dezember, dem einzigen Weihnachtsfeiertag in Bolivien, sind wir am frühen Morgen in die Kirche gegangen und mittags gab es nochmal ein großes Festessen, bei dem auch die Pfarrer aus dem Ort eingeladen waren.

In der darauffolgenden Nacht sind wir zur Reise zum Titicacasee aufgebrochen. Nachts ging es mit dem Bus zunächst nach Cochabamba. Die Fahrt dorthin geht über enge Wege durch viele kleine Dörfer und dauert sieben bis acht Stunden. Danach ging es für Kira, Jakob (ein anderer Freiwilliger aus Cochabamba) und mich weiter nach La Paz. Nach acht Stunden kamen wir dort am frühen Morgen an. Der letzte Abschnitt der Fahrt dauerte vier Stunden und ging nach Copacabana. Das ist der bekannteste Landzugang in Bolivien zum Titicacasee und gleichzeitig ein sehr berühmter Pilgerort. Dort haben wir uns noch mit Alina und Johannes getroffen. Die beiden sind auch Freiwillige vom BDKJ und arbeiten in dem noch kleinen Dorf Titicachi.

Am ersten Tag haben wir uns Copacabana mit der von außen beeindruckenden Basílica Virgen de la Candelaria (Maria Lichtmess) angeschaut.

Die Basílica Virgen de la Candelaria

Die Basílica Virgen de la Candelaria

Außerdem sind wir auf den Berg Cerro Calvario gestiegen, der der Höhepunkt der Pilgerstätte mit 14 Kreuzstationen auf über 4000m ist. Von dort aus haben wir die Sicht über den Titicacasee bei Sonnenschein genossen.

Aussicht auf den Titicacasee

Aussicht auf den Titicacasee

Auf dem Berg Cerro Calvario

Auf dem Berg Cerro Calvario

Leider merkt man aber auch im Westen Boliviens etwas von der Regenzeit. Abends hat bereits der Regen angefangen und dauerte bis zum späten Vormittag an, dadurch wurde es auch richtig kalt. Trotzdem ging es am nächsten Tag mit dem Boot weiter in den Süden der Isla del Sol (Sonneninsel). Kaum sind wir dort angekommen, brach die Sonne aus der Wolkendecke und es wurde richtig heiß. Bei Sonnenschein sind wir in Richtung Norden der Insel gelaufen.

Gruppenbild auf der Isla del Sol

Gruppenbild auf der Isla del Sol

Auf dem Weg in den Norden

Auf dem Weg in den Norden

 

Eigentlich wollten wir uns auch den Sonnenuntergang und -aufgang anschauen, aber leider hat es zu der Zeit wieder in Strömen geregnet. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes ging es erst wieder zurück nach Copacabana und dann mit dem Boot zur Islas Flotantes.

Die Bootstour

Die Bootstour

 

Als Anlegestelle dienen Schilfflöße, die mit ihren Schilfhütten eine Touristenattraktion sind. Auf diesen kann man auch die frisch aus dem See gefangenen Forellen verspeisen.

Blick auf die Schilfflöße von oben

Blick auf die Schilfflöße von oben

 

Danach ging es wieder zurück zum Ausgangsort und von dort mit dem Bus über die Zwischenstation La Paz nach Cochabamba zurück.

Der Ausflug hat zwar nur wenige Tage gedauert, trotzdem haben wir sehr viel erlebt und haben ein weiteres Mal die beeindruckende Natur Boliviens kennengelernt.

Ich wünsche allen nachträglich noch ein gutes Neues Jahr: sumaj wata musujwatapaj 2015!

Eure Pauline